Die Fauna und Flora im Generalspark
Der Generalspark weist eine hohe ökologische Diversität auf, bestehend aus artenreichen Wiesen, Gebüschsäumen und Wildhecken, Solitärbäumen, Alleen, strukturreichen Mischwäldern und einem Naturteich. Diese Strukturvielfalt ist das Ergebnis aus natürlicher Sukzession der ursprünglichen Parkanlage und aktiven menschlichen Bemühungen.
Das Vorhandensein vielfältiger natürlicher Habitate ist auch ein wesentliches Element für eine artenreiche Tierwelt. Viele seltene Insekten, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fledermäuse, etc. sind eng an ihre passenden Habitate gebunden. Besonders erfreulich ist es daher, dass sich im Generalspark eine große Population des FFH-geschützten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) etabliert hat. Auch der ebenfalls streng geschützte Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius) lässt sich hier beobachten. Bei beiden handelt es sich um Schlüsselarten ihres Ökosystems.
Neben einer Vielzahl an Vogelarten nutzt auch der gefährdete Wachtelkönig (Crex crex) die Wiesenflächen im Generalspark als Brutgebiet.
Sowohl die Ameisenbläulinge als auch der Wachtelkönig dienen uns dabei als Referenzarten, an deren Ansprüche sich unsere Pflegemaßnahmen orientieren. Wir sind gespannt zu beobachten, welchen positiven Beitrag unsere Pflege auf die Artenvielfalt und deren Populationsgrößen hat.
Im Folgenden möchten wir einige der Tierarten näher vorstellen.
Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) ist optisch zwar ein recht unscheinbarer Schmetterling, doch durchlebt er jedes Jahr aufs Neue einen der spannendsten Entwicklungszyklen!
Aussehen: Bläulinge zu bestimmen ist nicht immer leicht, da sich viele Arten nur durch kleinste Merkmale voneinander unterscheiden. Der Falter des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings weist auf seiner Flügelunterseite eine einheitliche braune Färbung mit einer einzelnen Punktreihe auf, welche vor allem durch seine geschwungene Form (doppeltes C) das eindeutigste Bestimmungsmerkmal dieser Art ist. Die Flügeloberseite ist blau mit dunklen Rändern. Diese ist jedoch meist nur im Flug zu sehen. Die Flügelspannweite beträgt 28 bis 33 Millimeter.
Entwicklung: Die Flugzeit beginnt bei uns ab Mitte Juli und endet Mitte August. In dieser Zeit haben die Schmetterlinge vor allem eine Aufgabe: Einen Partner finden und den Fortbestand der Art sichern. Morgens und abends sitzen sie oft entspannt auf dem Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) und können dabei auch aus nächster Nähe gut beobachtet werden. Die Weibchen legen ihre Eier auf dessen markanten roten Blütenköpfchen ab, welche die einzige Nahrung der Raupen in den ersten Entwicklungsstadien darstellen. Wurden die Blüten restlos abgefressen, lassen sich die Raupen zu Boden fallen. Hierbei senden sie spezielle Pheromone aus, um den Anschein einer Armeisenlarve zu erwecken. So werden spezielle Ameisenarten angelockt (u.a. die Rote Gartenameise) und tragen die Larve in ihren Bau. Hier überwintert sie und ernährt sich räuberisch von der Ameisenbrut. Nach der Verpuppung schlüpft im nächsten, bzw. übernächsten Sommer der fertig entwickelte Schmetterling. Nun heißt es schnell sein! Denn spätestens jetzt haben die Ameisen den Schwindel erkannt und würden den Falter fressen, wenn er nicht rechtzeitig den Bau verlässt.
Gefährdung: Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist europaweit gefährdet und wird in Anhang II und IV der FFH-Richtlinie gelistet. Er steht somit unter strengem Schutz. In der Roten Liste Österreichs steht er in der Kategorie 3 = VU (gefährdet).
Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Im Sommer 2025 machten wir eine überraschende Entdeckung und konnten auch den Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius) dokumentieren.
Aussehen: Optisch ähnelt der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling seinem Dunklen Verwandten zwar, doch gibt es ein paar gute Unterscheidungsmerkmale. Die farblich zwischen hellem braun und blaugrau variierende Flügelunterseite des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings ist deutlich heller. Außerdem besitzt er eine zweite Punktreihe am Flügelrand sowie zusätzliche Punkte in Körpernähe (in der Fachsprache als Basalregion bezeichnet). Seine Flügeloberseite ist ebenso von blauer Färbung mit dunklen Rändern, doch kann auch hier das Blau etwas heller sein.
Entwicklung: Der Entwicklungszyklus des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings ist nahezu ident mit jener seines Verwandten. Jedoch benötigen die Raupen mit der Trockenrasen-Kontenameise (Myrmica scabrinodis) eine etwas andere Ameisenart.
Gefährdung: Auch der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist in Anhang II und IV der FFH-Richtlinie gelistet und somit auf europäischer Ebene streng geschützt. In der Roten Liste Österreichs befindet er sich in der Kategorie 3 = VU (gefährdet). Er stellt jedoch nochmals strengere Ansprüche an seinen Lebensraum als der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling und kann sich nur schlecht an Veränderungen anpassen. Dadurch ist sein Vorkommen lokal stark begrenzt und die Art nochmal deutlich seltener.
Wachtelkönig
Der Wachtelkönig (Crex crex) ist einer der heimlichsten Bewohner des Generalsparks. Er gehört zur Familie der Rallenvögel, bekannte Vertreter sind z.B. das Blässhuhn und das Teichhuhn. In seinem Verhalten wie in seinem Aussehen ähnelt er jedoch dem Rebhuhn und der Wachtel, auch wenn er nicht näher mit diesen verwandt ist.
Die Brutzeit erstreckt sich von Ende April bis Anfang August. Das Gelege des Bodenbrüters ist dabei gut versteckt im hohen Gras. Die kohlschwarzen Küken verlassen bereits nach wenigen Tagen das Nest.
Den Wachtelkönig selbst bekommt man nur selten zu Gesicht, aber mit etwas Glück kann man seinen markanten Ruf in der Abendstille vernehmen: Ein knarrendes "Crex Crex", woher er auch seinen lateinischen Namen hat.